Sonstiges
THW-Bayern-Tagung am 11. Oktober in Ingolstadt
THW-Landesvereinigung Dienstleister für örtliche Vereine
Kein einheitlicher europäischer Katastrophenschutz
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| Die Nr. 1 des bayerischen Löwen aus Nymphenburg-Porzellan überreichte der Bayerische Staatsminister Joachim Herrmann (rechts) als Gastgeschenk an den LB Dietmar Löffler. | „Zukunft miteinander gestalten“ lautete das Motto der THW-Bayern-Tagung am 11. Oktober in Ingolstadt: Hierzu konnten THW-Landesbeauftragter Dietmar Löffler und die Stellvertretende Vorsitzende der Landesvereinigung, Siglinde Schneider-Fuchs, im Fahnensaal des Neuen Schlosses Bayerns Staatsminister des Innern, Joachim Herrmann, Vorsitzender der THW-Landesvereinigung, Stephan Mayer, MdB, den Abteilungsleiter für Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz im Bundesinnenministerium, Dr. Manfred Schmidt sowie THW-Präsident Albrecht Broemme begrüßen. Die bayerischen Ortsbeauftragten, die elf Geschäftsführer, die Vorstandsmitglieder der THW-Landesvereinigung, die Führungskräfte aller bayerischen Hilfsorganisationen sowie von Polizei und Bundeswehr waren der Einladung gefolgt.
Landesvorsitzender Stephan Mayer, Innenpolitiker im Deutschen Bundestag, beschrieb in seiner Rede die THW-Landesvereinigung als Dienstleister gegenüber den Ortsverbänden und örtlichen Fördervereinen. Er wolle in seiner Funktion deren Interessen vertreten, Antworten geben und Fürsprecher des THW sein. Er warb unter anderem bei Bayerns Innenminister Joachim Herrmann um Unterstützung für die Befreiung der Ortsverbände von der GEZ-Gebührenpflicht. Auch wenn möglicherweise nicht die kompletten Gebühren erlassen werden könnten, so könne er sich doch eine zumindest teilweise Befreiung vorstellen. Wenn wir den Begriff „THW-Familie“ einmal wörtlich nehmen und jeden Ortsverband als Familie betrachten, müsste es ausreichen, dass jeder Ortsverband nur ein Rundfunkgerät anmelden müsse.
Mit dem Satz „Wir brauchen das THW in Bayern.“ brachte Bayerns Innenminister Herrmann seine Ausführungen auf den Punkt. Auch durch die Einführung der neuen Integrierten Leistellen dürfe das THW nicht schlechter gestellt werden. Das THW müsse voll integriert und berücksichtigt werden. Die Gefahr des internationalen Terrorismus sei immer noch aktuell, Anschläge auch bei uns möglich. Gott sei Dank sei man bisher in Deutschland verschont geblieben, aber versucht worden seien sie auch im Inland. Man müsse es der Bevölkerung klar machen, dass wir alle uns darauf verlassen, dass manche ehrenamtlich alles stehen und liegen lassen, um anderen zu helfen.
Mayer lehnte eine verstärkte Zuständigkeit für den Zivil- und Katastrophenschutz auf europäischer Ebene ab. Diese Themen seien besser auf nationaler und Landesebene zu belassen. Es spreche nichts dagegen, sich stärker zu vernetzen, aber die Ansiedlung gemeinsamer Kräfte auf EU-Ebene könne er nicht für gut befinden. Er gehöre zwar der CSU-Landesgruppe an, könne aber auf eine fraktionsübergreifende Phalanx im Deutschen Bundestag für die Belange des THW verweisen. Der Vorsitzende begrüßte den erhöhten Haushaltsansatz für das THW, merkte allerdings auch an, dass der Großteil davon mit der Beauftragung der BIMA zur Liegenschaftsverwaltung begründet sei. Für Aus- und Fortbildung seien die Mittel von 6 auf 6,5 Millionen Euro aufgestockt worden. Bedenke man, dass jährlich etwa 3.000 ausgebildete Helfer das THW wieder verlassen und rund 4.500 Helfer neu ausgebildet werden müssen, so sei dieser Anstieg mehr als überfällig. Der Zuschuss an die Bundesvereinigung und an die Jugend sei erhöht worden. Bei einem jährlichen Wertverlust von etwa 45 Millionen Euro jährlich müsse man dringend den Investitionsstau im Bereich der Einsatzfahrzeuge abbauen. Sowohl beim Zivilschutzgesetz als auch beim THW-Helfergesetz stehe die Novellierung bevor. Bei einem Anteil von 99 Prozent ehrenamtlichen THW-Helfern sprach er sich deutlich gegen einen Stellenabbau bei den 800 hauptamtlichen Mitarbeitern aus.
Abteilungsleiter Dr. Manfred Schmidt vom Bundesministerium des Innern warnte eingangs vor den Problemen, die das ehrenamtliche Engagement durch den Mentalitätswandel und das geänderte Freizeitverhalten erfahren werde. Hier gebe es unter anderem die Möglichkeit, durch Fort- und Ausbildung die Motivation zu steigern. Die Weiterbildung im THW solle auch als berufliche Fortbildung gesehen und anerkannt werden. Er könne sich eine bessere Einbindung älterer Helfer (60 +) vorstellen, beispielsweise als Berater in Aus- und Weiterbildung. Zudem sprach sich Schmidt gegen eine EU-einheitliche Katastrophenschutzorganisation aus. Das Geld sollte besser in Prävention als in die Reaktion auf Katastrophen gesteckt werden. In Europa stehen anteilsmäßig einem Euro Kosten in der Prävention sieben Euro Kosten für Reaktion gegenüber.
THW-Präsident Albrecht Broemme bezog das THW-Modell Bayern in seine Ausführungen ein, bei dem der Bund den Vater und Bayern die Mutter des THW darstelle. Dieses Modell sei ihm von Anbeginn seiner Dienstzeit beim THW bekannt. Er sehe die Zukunft des THW als gesichert an, solange Jugendarbeit wie bisher betrieben werde. Für ihn sei ein gutes Klima in einem Ortsverband unter anderem daran erkennbar, wie viele Helfer von der Jugendgruppe in den Ortsverband überwechseln. Die Aktion „60+“ sei ein positiver Ansatz, er wünsche sich zudem mehr Menschen aus Zuwandererfamilien im THW. Die Expertendatenbank, die derzeit 800 Helfer umfasse, wolle er in den nächsten Jahren auf bis zu 5.000 Helfer ausweiten.
Ein einheitliches THW-Berufsbild gebe es nicht, führte der THW-Landesbeuaftragte Dietmar Löffler aus. Er versah die Palette an im THW vertretenen Berufen mit dem Prädikat „idealtypischer Bevölkerungsquerschnitt“. Wenn auch die wenigsten Ortsbeauftragten Verwaltung gelernt hätten, so seien doch die meisten erfolgreiche Behördenleiter ehrenamtlich in einer Bundesanstalt eigentlich undenkbar. Er zitierte dabei die Stellvertretende Vorsitzende der Landesvereinigung, Siglinde Schneider-Fuchs, die neben der Begrüßung kurzweilig die gesamte Tagung moderierte. Sie habe einmal gesagt: „Das Verbindende im THW ist das Unterschiedliche.“ Je komplexer eine Aufgabenstellung sei, umso wichtiger sei die Vielfalt, mit der man besser Lösungen finden könne. „Die Vielfältigkeit unserer Angehörigen macht uns so leistungsfähig.“, so Löffler.
Bayerns Landessprecher Rudi Skalitzky formulierte unter anderem die Forderung, dass neben dem Ersatz alter GKW auch an die Beschaffung von MzKW gedacht werden müsse, da in vielen Ortsverbänden kaum mehr Kapazitäten für den Helfertransport vorhanden seien.
Michael Hofmann, Markus Schneid
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